Busgeschichten _ Haufen







Ich fahre viel Bus. Grundsätzlich liegt das daran, dass ich kein Auto habe. Aber ich fahre eigentlich auch recht gern Bus. Man kann in sich gehen, andere Passagiere beim Ein- und Aussteigen beobachten oder analysieren, wie geschickt der Busfahrer den Bus durch die Gegend zu steuern vermag.

Das Verhältnis von Dienstleister zu Kunde, also in dem Fall das Verhältnis von mir zum jeweiligen Busfahrer, hängt von vielen Faktoren ab. Ich wage zu behaupten, dass meine angeborene Grundfreundlichkeit eigentlich eine gute Basis für ein entspanntes Miteinander bietet. Ein wohlgesonnenes „Guten Morgen“ oder eine andere der jeweiligen Tageszeit angepasste Grußformel lasse ich jedem Busfahrer beim Erstkontakt entgegen schnellen, ich finde das gehört sich so. An dieser Stelle entscheidet sich eigentlich schon so einiges. Während ich meine Monatskarte möglichst gut erkennbar dem Fahrzeugführer entgegenhalte warte ich gespannt auf die mir entgegengebrachte Reaktion. Ich gehe immer erstmal von der totalen Ablehnung solch unangebrachter Intimität aus, denn dann ist die Begeisterung über ein „Morgen“ um so größer. Richtige Freude darüber, dass ich den Bus benutze kommt dagegen selten auf, meist scheine ich als notwendiges Übel, als Last, als störende Unmöglichkeit wahrgenommen zu werden. „Das ist mein Bus!!!“ glaube ich dann immer in den verschlafenen aber doch entschlossenen Augen des Busfahrers lesen zu können.
Da ich mir meines Rechts, den Bus benutzen zu dürfen, bewusst bin, halte ich dem jedoch stand und gehe selbstsicher durch den Gang nach hinten auf einen möglichst vorteilhaften Platz. Vorteilhaft sind die mit viel Beinfreiheit, einer möglichst kleinen Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand dazusetzen wird sowie einem guten Überblick über den Rest des Fahrgastraumes. Meist schafft man das mit dem Hinsetzen jedoch nicht schnell genug und bekommt so die ganze Härte des zügig anfahrenden Busses zu spüren. Für junge durchtrainierte Männer wie mich ist das eine bewältigbare Situation. Aber so mancher Busfahrer zuckt nicht mal mit der Wimper wenn es die nette Omi, die dummerweise als letzte eingestiegen ist, beim Kavalierstart so richtig durch den Gang katapultiert.

So mancher Fahrgast mag apathisch seiner Haltestelle entgegen träumen. Ich hingegen verfolge interessiert jede Aktion des Fahrers. Ich glaube das liegt daran, dass ich etwas traurig bin, so große Fahrzeuge wie Busse momentan nicht fahren zu können. Da ich das aber mal durfte früher, entgeht mir kein noch so kleiner Fahrfehler. Für mich ist der Skill des Busfahreres oder seltener auch der Busfahrerin das zweite Kriterium für den Abschlussbericht, das Arbeitszeugnis was ich gedanklich nach jeder Fahrt ausstelle.
Selbst ein gewisses Punktekonto, was sich der aufmerksame Busfahrer durch ein nettes Lächeln beim Einsteigen erarbeiten kann, ist schnell aufgebraucht, wenn jede zweite Bordsteinkante übersehen oder schlicht ignoriert wird. Um möglichst objektiv zu bleiben wandere ich im Laufe der Woche von Achse zu Achse, man glaubt nicht wie sich das Busfahrerlebnis dabei verändern kann.
Die Fähigkeiten, die zusammen ein rundes Bild ergeben müssen sind „vorausschauendes Fahren“, „zügige aber gleichmäßige Fahrweise“, „Kurvensicherheit“ sowie eine solide Einschätzung der Ausmaße des Fahrzeugs. Mancher Busfahrer kann problemlos in vollem Tempo zwischen parkendem Postauto und entgegenkommendem Müllauto hindurchschlüpfen, andere nähern sich der Gefahrenstelle zielsicher um dann unverhofft auf die Bremse zu steigen weil sich plötzlich abzeichnet, dass weniger als ein halber Meter Platz auf beiden Seiten bleibt.

Spricht man allerdings über Busfahrer muss man fairerweise auch einen Faktor ins Spiel bringen, der weder dem Busfahrer noch mir als Fahrgast anlastbar ist. Der Bus selbst. Moderne Busunternehmen haben sicherlich ganz viele tolle Niederflur-, Erdgas-, Vollklima-, oder auch Automatikbusse in ihrer Flotte. Das heißt jedoch nicht, dass man in ungünstigen Fällen nicht auch eine notdürftig fahrbereit gehaltenen Schrotthaufen erwischen kann. Das ist dann für uns beide kein Vergnügen. Dem Busfahrer merkt man an, dass er sich am liebsten permanent für sein Gefährt entschuldigen möchte und ich selbst muss mit einer Hand eine wackelnde Scheibe festhalten oder sehe mich genötigt, auszusteigen und zu schieben, da die Maschine aus Vorkriegszeiten alleine scheinbar auf keinen Fall in der Lage ist, alle Passagiere zu ihrem Bestimmungsort zu bringen.

Schaue ich auf die ersten 2 Monate Busfahren in Koblenz zurück, so stelle ich fest, dass sich die guten und die weniger guten Busfahrer die Waage halten und einige Ausreißer durch andere routiniert arbeitende ausgeglichen werden.
Einen muss ich lobenderweise aus der Masse herausheben, er hat es sich verdient, den er ist bisher der einzige Linienbusfahrer, den ich kenne, der jeden(!) Fahrgast beim Aussteigen persönlich verabschiedet. Da ist der Tag doch direkt schon am Anfang gerettet. Das einzige Problem ist dabei, dass er tiefstes Kowelenzer Platt spricht und man als Zugereister deswegen nicht ein Wort von dem verstehen kann, was er sagt. Nun man kann nicht alles haben.


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1 Kommentar zu “Busgeschichten”

  1. Stotti
    Mai 15th, 2007 23:04
    1

    “Für junge durchtrainierte Männer wie mich ist das eine bewältigbare Situation.” *prust*

    btw. ich waere dafuer, dass du am ende der fahrt vorbereitete und ausgefuellte urkunden austeilst. dort kannst du dann die erfuellten kriterien sowie alle kritikpunkte notieren. damit die welt stueck fuer stueck besser wird! :D

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