“Ich weiß nicht wie ich es Ihnen sagen soll, … _ Haufen
… nichts dramatisches, aber was ich Ihnen jetzt sage wird Ihnen nicht gefallen”
Man fragt sich, was ich mit diesem Anfangssatz sagen will, aber folgendes trug sich zu.
In der letzten Woche hatte ich das große Glück, eine Woche auf Teneriffa zu verbringen. Übrigens eine ganz großartige Insel, aber das ist eine andere Geschichte.
Leider geht eine Woche viel zu schnell und ruck zuck sitzt man wieder im Flieger nach Hause.
Es war ca. 22 Uhr und wir befanden uns gerade über dem Golf von Biscaya. Also Nacht und Wasser überall.
Ich hatte gerade mein ungemein leckeres Bordmenü verdrückt (auf dem Rückflug gab es leider gar keinen Joghurt :( ) als es in den Lautsprechern verdächtig knackte. Ein rhetorisch begabter junger Mann meldet sich mit ruhiger Stimme und schon hier deutete sich an, dass er uns einiges zu erzählen haben wird.
“Hier spricht Ihr Kapitän. Ich bitte nocheinmal kurz um Ihre Aufmerksamkeit. Es ist nichts dramatisches” (sehr bemühte ruhige Stimmlage) “aber was ich Ihnen jetzt erzähle wird Ihnen sicherlich nicht gefallen.”
An dieser Stelle schaute ich von meiner bereits fast vollständig ausgelesenen Ausgabe des Spiegel auf, in der Absicht, der Ansage eventuell doch eine gewisse Aufmerksamkeit zu schenken.
“Ein solches Flugzeug, wie wir es hier fliegen hat ein maximales Startgewicht, welches auf gar keinen Fall überschritten werden darf.”
Mehrere Fluggäste folgten meinem Beispiel und legten Ihre Zeitschrift oder ihr Buch zur Seite.
“Ist das Flugzeug schwerer, als vorgeschrieben, dann darf es nicht starten. Unser maximales Startgewicht beträgt 59 Tonnen” (könnten auch 69 Tonnen gewesen sein, scheinbar war ich noch nicht aufmerksam genug in diesem Moment)
“Da wir dieses Startgewicht auf keine Fall überschreiten dürfen, können wir auch nur eine gewisse Menge Treibstoff tanken”
An dieser Stelle war dann fast jeder so langsam hellwach. Und das war auch nicht verwunderlich, schließlich ist das ca. 11000 Meter über dem Atlantik eine durchaus interessante Information.
“Natürlich beinhaltet diese Tankmenge auch eine Sicherheitsreserve…” (Kunstpause) “… und die haben wir auch dabei”
Yeah!!!
“Wie ich Ihnen schon beim Start mitgeteilt habe, haben wir heute starken Gegenwind. Das bedeutet, dass der Flug länger dauern wird und wir mehr Sprit verbrauchen.”
Nich mehr so ganz dolle Yeah!
Ich denke an dieser Stelle klebten dann alle wie gebannt an der spannenden Geschichte, die der Kapitän da zu erzählen hatte. Ich selbst hatte den Spiegel weggelegt, da mich die Themen darin nur noch geringfügig interessierten.
“Ein weiteres Problem” (wir haben ein Problem??) “ist, dass der Flughafen in Hamburg schon um 12 Uhr schließt und wir keine Minute später dort landen können. In einen solchen Fall müssten wir dann nach Hannover fliegen.”
Aha, welch angenehme Vorstellung. Nachts um 12 in Hannover landen obwohl man gerne nach Hamburg ins Bett möchte. Aber wenigstens war ich an de Stelle dann relativ sicher, dass wir wohl nicht abstürzen müssen. Zwischendurch hätte man auch mal auf diese Idee kommen können.
“Das wollen wir nicht so gern machen” (sehr gut, wir auch nich :) ) “und deswegen standen wir heute Mittag vor dem Abflug vor der Entscheidung was wir machen. Wie gesagt haben wir ein maximales Gewicht,welches nicht überschritten werden darf.”
Ja, das hatte bis dahin dann glaub ich jeder verstanden.
“Und da wir Ihnen nicht zumuten wollten, in der Nacht in Hannover zu stehen…also wie soll ich es sagen…”
Los raus damit, das ist wie das überraschende Ende eines guten Buches!
“Also … wir haben nicht ale Gepäckstücke an Bord.”
Das war nun eine solche Situation, die man nicht sofort hat werten können. Ich jedenfalls nicht. Zum einen war das nach dieser herzzerreissenden Geschichte natürlich eine verhältnismäßig unspektakuläre Auflösung, gleichwohl erkannte man jedoch auch nach ein paar Sekunden, dass fehlendes Gepäck irgendwie auch nich ganz so cool is. Ich persönlich dachte dann recht schnell an alles, was mit meinen Kontaktlinsen zu tun hat.
“Um das maximale Startgewicht einzuhalten” (ja…?) “mussten wir einige Gepäckstücke in eine andere Maschine verladen. Nach meinen Informationen haben wir in etwa 35 Gepäckstücke nicht mit dabei.”
Im Kopf kurz durchrechnen. Eigentlich eine ziemlich gute Chance vielleicht doch mit Gepäck anzukommen.
“Ihr Gepäck befindet sich in einer anderen Maschiene die nach uns gestartet ist” (Immerhin!!) “die nach Köln fliegt. Wenn Ihr Gepäckstück nachher am Band einfach nicht kommen mag, dann wenden Sie sich bitte an die bereitsehenden Mitarbeiter. Diese werden Ihre Adresse aufnehmen und wir schicken Ihnen dann Ihr Gepäck nach. Ich hoffe Sie haben Verständnis.”
Ach klaro, die Gechichte wars absolut wert.
Um auch diese Geschichte hier wenig spektakulär zu beenden … unser Gepäck war dabei. Aber war irgendwie auch n bissl aufregend, so voller Adrenalin am Band zu stehen und nicht zu wissen wie es weitergeht.
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Sollte ein Pilot zufällig diesen Eintrag lesen, dann hätte ich trotzdem eine Bitte, die ich auch im Namen aller eventuell herzkranken Fluggäste aussprechen möchte.
Beim Nächsten mal tut es auch folgender Aufhänger für eine solche Information:
“Werte Fluggäste. Wir haben 35 Koffer nicht mit an Bord … und hier kommt die Geschichte dazu!”


