Du kennst Dich doch so gut aus mit … _ Haufen
Ich denke, die meisten kennen diese Frage zur Genüge. Hat man einmal den Fehler gemacht und gesagt, dass man sich mit einem Thema auskennt und da durchaus helfen könne, wenn es mal ein Problem gibt, schon hat man die Rolle des jederzeit verfügbaren Experten gewonnen und wird diese nicht mehr los. Bald weiß das gesamte Umfeld vom großen Talent und dem unendlichen Wissen und dieses weiß diesen Luxus auch intensiv zu nutzen. Für “unsereins” gilt dieses Naturgesetz (”Der Klügere hat das Nachsehen”) besonders für den Umgang mit dem ach so bösen und unberechenbaren Computer. Von Natur aus hat besonders die Verwandtschaft ein besonders “intensives” Verhältnis zum Rechenknecht und ist somit ganz besonders oft an schneller und möglichst unkomplizierter Hilfe interessiert. Man mag meinen, dass folgender Rat aus diesem Grund gern gesehen ist: “Schalt den Computer doch einfach mal aus und wieder an!”. Aber mitnichten ist dies so. Direkt kommt die Gegenfrage: “Warum denn das?” und “Woran liegt denn das dann?” oder gerne auch der spontane Nervenzusammenbruch: “Diese blöde Ding, mein Herz, das ist einfach nichts für mich.”
Warum ich auf dieses Uraltthema zu sprechen komme? Die Antwort ist ganz einfach. Ich lese gerade ein Buch des mit überaus trockenem Humor gesegneten Autors Horst Evers. “Mein leben als Suchmaschine” ist ein vortrefflich treffsicherer Angriff auf die Lachmuskeln und mit dem kleinen Text, den ich gleich zitieren möchte hat Horst Evers eben dieses Thema der ewig leidenden helfenden Engel auf den Punkt gebracht. Es wäre geradezu eine Schande, dieses Meisterwerk den vielen Millionen Lesern dieses Blogs zu verschweigen. Doch lest selbst:
“… Mensch Jan, was ist denn so schlimm daran, wenn Dir mal einer eine Frage zu Computern stellt?
- Mal eine Frage? Alle haben immer Fragen. Tausende Fragen. Ich habe oft das Gefühl, ich werde nur noch deshalb eingeladen. Manchmal fühl ich mich regelrecht ausgenutzt.
- Nein … nein, das glaube ich nicht. Wer würde denn sowas tun?
- Aber wenn’s nur eine kleine Frage wäre. Es ist ja immer ein Wust. Und die Antworten kapieren sie sowieso nicht. Dabei ist es eigentlich überhaupt nicht …
Gut, Horst, stell du dir doch mal vor, du würdest dich gut mit Computern auskennen.
Ich muss lachen.
- Super, und wenn ich damit fertig bin, stell ich mir auch gleich mal vor, ich hätte langes lockiges Haar.
- Gutgutgut, dann stell dir eben einfach mal vor, du wärst Experte für Wasserhähne.
- Für was?
- Wasserhähne. Kennst Du dich total gut mit aus. Der Umgang mit Wasserhähnen ist für dich vollkommen simpel.
-Ja, ist er ja doch auch, eigentlich. Oder?
- Doch, doch. Aber fast alle anderen haben keine Ahnung von Wasserhähnen. Alle haben Wasserhähne zu Hause, finden es toll, wie da das Wasser rauskommt, haben aber keinen Ahnung, wie das alles genau funktioniert. Die verschiedenen Anwendungsbereiche: Waschen, Kochen, Trinken, Blumengießen. Finden sie alles super, wollen das alles auch, aber begreifen zum Beispiel einfach nicht, wie sie das Wasser vom Wasserhahn in ein Glas kriegen. Also erklärst du: Wasserhahn auf, Glas drunter und so weiter … Aber die hören nicht einfach nur ruhig zu. Sondern werden wütend: Jaja, das wissen sie alles, aber mit ihrem Glas funktioniert das einfach nicht, und das, obwohl sie alles so machen, wie in der Anleitung beschrieben, aber ihr Glas geht einfach nicht. Ihr Glas geht nie. Man hat ihnen da aber auch wahrscheinlich das falsche Glas gegeben. Warum gibt es überhaupt unterschiedliche Gläser? Kann man das nicht einheitlich machen? Das ist doch Absicht!!!
Und nachdem du mit diesen aufgebrachten, immer lauter werdenden Menschen eine dreiviertel Stunde alles durchgegangen bist, alles mehrfach erklärt und verzeifelt nach Fehlerursachen geforscht hast, stellt ihr irgendwann zusammen fest, dass man ja die Öffnung des Glases nach oben halten muß. Nicht den Boden, die Öffnung muß unter den Wasserstrahl. Und statt Freude oder Dank erntest du nur noch mehr Wut: Das mit der Öffnung muß einem doch gesagt werden. Keiner sagt einem das. Und überhaupt dieser ganze Wasserhahnscheiß, der geht ihnen sowieso dermaßen was von auf die Nerven. Alles geht nur noch mit Wasserhähnen. Überall Wasserhähne! Nix als Wasserhähne. Früher, ohne diese Wasserhähne, ging’s doch auch! Eigentlich sogar besser!!!
Und solche Gespräche erlebst du dann nicht nur einmal, sondern 10-, 15-,20-mal am Abend. …”
Das Buch zum Text “Mein Leben als Suchmaschine” von Horst Evers bei Amazon



